Heute sind viele Neubürger in unseren Ort gekommen und bemühen sich um eine Integration. Man kann nicht erwarten, dass sich dies von heute auf morgen vollziehen kann. So muss es Aufgabe der einzelnen Nachbarschaften sein, ein gutes Verhältnis untereinander zu finden.

Es war auch immer ein besonderes Anliegen der Nachbarschaft, eine Goldhochzeit festlich vorzubereiten oder aber bei Beerdigungen das Tragen des Sarges zu übernehmen. Diese Gepflogenheiten sind in vielen Jahren zu einer geübten Gewohnheit geworden und festigen das Zusammengehörigkeitsgefühl. Sicher können auch die örtlichen Vereine und von ihnen getragene Festlichkeiten zur guten Verständigung und zu einer schönen Verbundenheit beitragen.

Das Leben einer Gemeinschaft wird letztlich von den Menschen selbst getragen und gestaltet.

Die Nachbarschaften Niederheimbachs sind Zusammenschlüsse von Häusern rund um einen Brunnen, der früher die Wasserversorgung sicherstellte. Sie entstanden im Mittelalter und haben ihre Traditionen mittlerweile bis auf wenige Punkte verloren. Nach wie vor gehört zu den Aufgaben einer Nachbarschaft, den Sarg eines Verstorbenen zum Grab zu tragen.

Brunnen der 1. bis 3. Nachbarschaft standen früher in der Rheinstraße gegenüber den Häusern 19, 31/32 und 65/66.

 

 Die 1. Nachbarschaft

 Die 2. und 3. Nachbarschaft

 Die 4. Nachbarschaft

 Die 5. Nachbarschaft

Über die Entstehung der Niederheimbacher Nachbarschaften

 

Die 1. Nachbarschaft

 

Das Gebiet der 1. Nachbarschaft erstreckt sich auf die Häuser Rheinstraße 1 bis 33, den Waldweg, die Soonecker Straße, die Märchenhainstraße und die Ernst-Heilmann-Straße.

 

Nachbarschaftspräsident ist Herr Friedrich Zimmermann, Rheinstraße 4.

 

Das Amt des Nachbarschaftsmeisters wird in diesem Jahr vom Nachbarschaftspräsidenten in Personalunion wahrgenommen.

 

Die 2. und 3. Nachbarschaft

 

Zur 2. und 3. Nachbarschaft gehören die Häuser Rheinstraße 34 bis 72.

 

Nachbarschaftspräsidentin ist Frau Therese Straßburger, Rheinstraße 71.

 

Nachbarschaftsmeister  ist in diesem Jahr Herr Ferdinand Stassen, Rheinstraße  72.

 

Die 4. Nachbarschaft

 

 

Die 4. Nachbarschaft umfasst die Häuser Rheinstraße 74 - 88, Heimbachtal 1 - 12, Anweg 1 - 16 und die Hinterbach bis zum alten Feuerwehrgerätehaus.

 

Nachbarschaftspräsidentin ist Frau Brigitte Wittig, Heimbachtal 2.

 

Nachbarschaftsmeister ist in diesem Jahr Herr  Ottomar Engelmann, 

Heimbachtal  8.

 

Die 5. Nachbarschaft

 

Zur 5. Nachbarschaft gehören die Häuser Heimbachtal 13 - 128, Anweg 16a - 19 und Hinterbach ab dem alten Feuerwehrgerätehaus.

 

Nachbarschaftspräsident ist Herr Aloys Maldaner, Heimbachtal 114.

 

Nachbarschaftsmeister ist in diesem Jahr Herr Rudi Trapp, Heimbachtal  125.

 

Über die Entstehung der Niederheimbacher Nachbarschaften

 

Die Entstehung der Niederheimbacher Nachbarschaften reicht anscheinend viel weiter in die Vergangenheit zurück, als es die hiesigen noch erhaltenen alten Nachbarschafts-Protokollbücher von 1856 und 1864 belegen.

 

Die herkömmlichen Nachbarschaften entstanden im Mittelalter als Bestandteil der kommunalen Verfassung. Sie haben schon ihre Wurzeln in den erweiterten Familienverbänden mit genossenschaftlicher Grundhaltung frühgeschichtlicher Zeit. Es gab eben Dinge, die nur gemeinschaftlich zu regeln waren, die in der Stärke der einzelnen Verbände das Überleben sicherten. Das Wort "Nachbar" bedeutet im Grunde "Nah-Bauer", - der in der Nähe wohnende Bauer. Im mittelalterlichen Dorfe waren die Nachbarschaften Organisationsgrundlagen als Urzellen der Gemeinde. Die Nachbarschaften bestanden aus überschaubaren Gruppen von Bürgern, denen meist ein Brunnen zugeordnet war. Sie regelten nach Brauch und Herkommen, was der Sicherheit diente sowie alle Belange in "Wald, Waid, Wasser, Weg und Steg", wie es in der Gemeinde- und Gerichtsordnung für Nieder- und Oberheimbach sowie Trechtingshausen vom Jahre 1529 festgeschrieben ist.

 

Bei der jährlichen "Ämterwandlung" wurden die Nachbarn zu folgenden Diensten verpflichtet: Als Feldschützen und Waldförster, Kirchen- und Hospitalmeister, Schröter und Eicher. Im Laufe des Lebens hatte so jeder Bürger seine Gemeinschaftsaufgaben erfüllt. Abwechselnd jährlich hatte eine Nachbarschaft die Brandschutzaufgaben zu erfüllen und den Feuerschultheißen zu wählen. In den Wechselfällen des Lebens, Geburt, Kindtaufe, Hochzeit und Todesfall, nahmen die Nachbarn Anteil durch selbverständlichen Beistand und Hilfeleistung. Das Grab zu bereiten war nachbarliche Aufgabe; einen Totengräber gegen Bezahlung kennt man hier erst seit dem 19. Jahrhundert. Übrig geblieben ist den heutigen Nachbarn, den Sarg aus der Kapelle zum Grab zu tragen und einzusenken.

 

Ein nicht unwesentliches Merkmal der Nachbarschaften sind ihre Zuordnung zu bestimmten Brunnen, weshalb sie auch Brunnengemeinschaften genannt wurden. In früheren Zeiten, als das Wasser noch aus dem Brunnen geschöpft oder hochgezogen werden musste, wusste man Brunnenwasser noch wohl zu schätzen.

 

Sind die Nachbarschaften ohne Zukunft ?  Zurecht kann man diese Frage stellen, wenn man die heutigen Nachbarschaften denen früherer Zeiten gegenüberstellt.

 

Quelle: Niederheimbach Zeitung vom Oktober 2000 (gekürzt);

Autor Heinz Scheibe nach einer Veröffentlichung von Wilhelm Hartung (Trechtingshausen) in "Der Trexhaiser" vom August 1993