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Die Entstehung der Niederheimbacher Nachbarschaften reicht anscheinend viel weiter in die Vergangenheit zurück, als es die hiesigen noch erhaltenen alten Nachbarschafts-Protokollbücher von 1856 und 1864 belegen.
Die herkömmlichen Nachbarschaften entstanden im Mittelalter als Bestandteil der kommunalen Verfassung. Sie haben schon ihre Wurzeln in den erweiterten Familienverbänden mit genossenschaftlicher Grundhaltung frühgeschichtlicher Zeit. Es gab eben Dinge, die nur gemeinschaftlich zu regeln waren, die in der Stärke der einzelnen Verbände das Überleben sicherten. Das Wort "Nachbar" bedeutet im Grunde "Nah-Bauer", - der in der Nähe wohnende Bauer. Im mittelalterlichen Dorfe waren die Nachbarschaften Organisationsgrundlagen als Urzellen der Gemeinde. Die Nachbarschaften bestanden aus überschaubaren Gruppen von Bürgern, denen meist ein Brunnen zugeordnet war. Sie regelten nach Brauch und Herkommen, was der Sicherheit diente sowie alle Belange in "Wald, Waid, Wasser, Weg und Steg", wie es in der Gemeinde- und Gerichtsordnung für Nieder- und Oberheimbach sowie Trechtingshausen vom Jahre 1529 festgeschrieben ist.
Bei der jährlichen "Ämterwandlung" wurden die Nachbarn zu folgenden Diensten verpflichtet: Als Feldschützen und Waldförster, Kirchen- und Hospitalmeister, Schröter und Eicher. Im Laufe des Lebens hatte so jeder Bürger seine Gemeinschaftsaufgaben erfüllt. Abwechselnd jährlich hatte eine Nachbarschaft die Brandschutzaufgaben zu erfüllen und den Feuerschultheißen zu wählen. In den Wechselfällen des Lebens, Geburt, Kindtaufe, Hochzeit und Todesfall, nahmen die Nachbarn Anteil durch selbverständlichen Beistand und Hilfeleistung. Das Grab zu bereiten war nachbarliche Aufgabe; einen Totengräber gegen Bezahlung kennt man hier erst seit dem 19. Jahrhundert. Übrig geblieben ist den heutigen Nachbarn, den Sarg aus der Kapelle zum Grab zu tragen und einzusenken.
Ein nicht unwesentliches Merkmal der Nachbarschaften sind ihre Zuordnung zu bestimmten Brunnen, weshalb sie auch Brunnengemeinschaften genannt wurden. In früheren Zeiten, als das Wasser noch aus dem Brunnen geschöpft oder hochgezogen werden musste, wusste man Brunnenwasser noch wohl zu schätzen.
Sind die Nachbarschaften ohne Zukunft ? Zurecht kann man diese Frage stellen, wenn man die heutigen Nachbarschaften denen früherer Zeiten gegenüberstellt.
Quelle: Niederheimbach Zeitung vom Oktober 2000 (gekürzt);
Autor Heinz Scheibe nach einer Veröffentlichung von Wilhelm Hartung (Trechtingshausen) in "Der Trexhaiser" vom August 1993
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